Medikamentöse Therapie: Chemotherapie

Die bekannteste medikamentöse Therapie ist die Chemotherapie bei Brustkrebs. Sie richtet sich – oft erst nach einer Operation (adjuvante Therapie) – gegen das Wachstum der Krebszellen. Dazu erhalten Sie sogenannte Zystotika meist via Infusion verabreicht, um einen Rückfall zu verhindern. In bestimmten Fällen kommt die Chemotherapie manchmal aber auch vor einer Operation (neoadjuvante Therapie) zum Einsatz. Dies mit dem Ziel, den Krebs zu verkleinern und eine kleinere Operation durchführen zu können. Zwischen den einzelnen Zyklen einer Chemotherapie gibt es Pausen, in denen Sie sich erholen können. Mehr über die Chemotherapie erfahren Sie hier.

Arten von Chemotherapie

Eine Chemotherapie wird auch als zytostatische Therapie bezeichnet. Die Wirkstoffe hemmen die Vermehrung der Tumorzellen, deshalb auch der Name Zytostatika oder Zellstopper. Beim Brustkrebs hat die Chemotherapie unterschiedliche Ziele.

Je nach Phase der Brustkrebserkrankung unterscheiden wir drei verschiedene Anwendungen

Adjuvante Chemotherapie

Die Chemotherapie gelangt nach der Erst- oder Zweitoperation zum Einsatz, falls der Tumor auf die Brust und eventuell auf die Achsellymphknoten beschränkt ist. Die Chemotherapie hat zum Ziel, im Körper möglicherweise noch vorhandene Tumorzellen (sogenannte Mikrometastasen beziehungsweise eine geringe Tumor-Zellaussaat) zu zerstören. Studien haben ergeben, dass sich diese zusätzliche Behandlung bei bestimmten Tumorarten lohnt: Rückfall- und Sterberisiko sinken bei unterstützender Chemotherapie gegenüber der alleinigen Operation sowohl kurz- als auch langfristig. Allerdings benötigen nicht alle Frauen nach einer Brustkrebsoperation eine Chemotherapie. Vorzugsweise wird die Chemotherapie bei jungen Frauen oder bei Frauen mit biologisch ungünstigen oder fortgeschrittenen Tumoren eingesetzt. Auch ältere Frauen können durch sie einen Vorteil gewinnen. Voraussetzung ist hier jedoch das Fehlen zusätzlicher schwerer Begleiterkrankungen.

Primäre oder neoadjuvante Chemotherapie

Palliative Chemotherapie

Bei allen Arten der Chemotherapie erhalten Sie Wirkstoffe, die die Vermehrung der Tumorzellen hemmen. In erster Linie handelt es sich um Substanzen, die eine normale Zellteilung verhindern. Die dadurch betroffenen Zellen sterben ab. Die Wirksamkeit an den Zellen ist umso höher, je schneller sich diese vermehren.

Leider greift die Chemotherapie aber auch gesunde Zellen an, die sich schnell teilen. Ihre Wirkung auf gesundes, schnellteilendes Körpergewebe wie Knochenmark (Blutzellbildung), Haarwurzeln, Schleimhäute des Mundes und des Magen-Darm-Traktes erklärt häufig anzutreffende Nebenwirkungen wie erhöhte Infektanfälligkeit, Haarausfall, Mundschleimhautentzündungen, Müdigkeit und Durchfall. Allerdings gibt es gute Medikamente und Techniken, um diese Nebenwirkungen zu mindern und abzuschwächen.

 

Wirkstoffklassen

Es gibt verschiedene Gruppen von Zytostatika, die in unterschiedlichen Phasen des Zellzyklus eingreifen. Die Kombination der verschiedenen Wirkstoffe und Wirkmechanismen erhöht die Chance, viele Tumorzellen zu zerstören.

Bei Brustkrebs kommen hauptsächlich folgende Wirkstoffklassen zum Einsatz

Alkylanzien

Zu den bei Brustkrebs eingesetzten Vertretern der Alkylanzien gehört Cyclophosphamid. Es lagert sich im Zellkern an das menschliche Erbgut (DNA) und bewirkt entweder ein Auseinanderbrechen der DNA-Stränge oder deren enge Vernetzung. Dies verhindert die Weitergabe des Erbguts bei der Zellteilung. Cyclophosphamid wird bei Brustkrebs ausschliesslich in Kombination mit anderen Wirkstoffen angewendet.

Anthrazykline

Antimetaboliten

Taxane

Vinca-Alkaloide

Zytostatika können unterschiedlich verabreicht werden. Es gibt folgende Arten:

  • Monochemotherapien mit Einsatz nur einer Substanz
    Polychemotherapien mit Einsatz mehrerer Substanzen
  • Sequenzielle Chemotherapien mit Einsatz unterschiedlicher Substanzen nacheinander
  • Dosisdichte Therapien mit Gabe der Chemotherapie in zeitverkürzten Intervallen

Bei den Polychemotherapien benennt man die Kombinationen in der Regel mit den Abkürzungen der Anfangsbuchstaben der verwendeten Zytostatika. Die Chemotherapieregime zeigen eine unterschiedliche Wirkungsstärke und werden in der adjuvanten Therapiesituation je nach dem zugrunde liegenden Rückfallrisiko ausgewählt.

 

Verabreichungen und Nebenwirkungen

Die meisten Chemotherapien werden heutzutage ambulant verabreicht. Die Anwendung erfolgt über eine Infusion. Üblicherweise nutzen wir dafür eine Vene auf der durch den Brustkrebs nicht betroffenen Armseite. Vor der Verabreichung der Chemotherapie erhalten Sie in der Regel moderne Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen.

Bei Chemotherapien, die die Armvenen reizen, oder bei zarten Venen kann die Chemotherapie auch über einen sogenannten Port-a-Cath verabreicht werden. Es handelt sich dabei um ein unter der Brusthaut oder am Arm eingepflanztes Kammersystem mit Verbindung zu einer grossen inneren Körpervene, das von aussen durch spezielle Nadeln angestochen werden kann. Das Anstechen und Verabreichen der Therapie ist am Port nicht schmerzhaft. Orale, das heisst als Tablette eingenommene Zytostatika spielen eine untergeordnete Rolle.

Chemotherapien sind dank grösserem Wissen und unterstützender Medikamente in den letzten Jahrzehnten viel besser verträglich geworden. Trotzdem sind Nebenwirkungen immer noch vorhanden. Zu nennen sind dabei:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall
  • Appetitlosigkeit
  • Entzündungen der Mundschleimhaut
  • Schmerzen beim Schlucken
  • Haarausfall
    Störungen der Blutbildung mit Blutarmut (Anämie)
  • Erhöhte Infektanfälligkeit (Immunschwäche)
  • Gefühlsstörungen an Händen und Füssen (sogenannte Polyneuropathie)
  • Anhaltende Erschöpfung und Müdigkeit
  • Vorübergehende Störungen geistiger Funktionen, zum Beispiel Konzentrationsschwäche und Beeinträchtigung der Merkfähigkeit
  • Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) durch Anthrazykline (vor allem Doxorubicin, seltener bei Epirubicin). Die Wirkung ist dosisabhängig. Deshalb sollte eine festgelegte Gesamtdosis an Anthrazyklinen nicht überschritten werden.

Die Nebenwirkungen treten in unterschiedlicher Reihenfolge nach der Therapie auf, teilweise rasch, teilweise mit grossen zeitlichen Verspätungen. Meistens sind sie nur vorübergehend. Sie werden so gut wie möglich behandelt, zum Beispiel mit Medikamenten gegen Übelkeit oder Durchfall und der Möglichkeit der Perückenanpassung. Durch Kühlsysteme während der Chemotherapie können auch Haarausfall und Störungen des Nagelwachstums reduziert und gemindert werden. Weiter besteht die Möglichkeit von Transfusionen roter Blutkörperchen oder von Spritzen zur schnelleren Erholung der weissen Blutkörperchen. Bei starken Nebenwirkungen legt man bis zur Erholung eine Pause der Chemotherapie ein oder reduziert die Dosis der verabreichten Medikamente.

 

Genexpressionsprofile (z. B. Oncotype DX, MammaPrint, EndoPredict und Prosigna)

Ein Genexpressionstest ist eine Methode zur Untersuchung der Aktivität von Genen, insbesondere, um das Rückfallrisiko bei Brustkrebs einzuschätzen und eine personalisierte Therapie zu ermöglichen. Dabei wird untersucht, welche Gene in Tumorzellen aktiv sind und wie stark sie eine Rolle bei Tumorwachstum und Metastasierung spielen.

Genexpressionsprofile beim Mammakarzinom helfen bei der verbesserten Klassifizierung, Prognose und Therapieentscheidung. Sie können Risikotypen besser abgrenzen, beispielsweise die Unterscheidung zwischen verschiedenen Formen des hormonabhängigen Brustkrebses mit Vorhersage über den Nutzen einer zusätzlichen Chemotherapie.

Anwendungsbereiche

Genexpressionsprofile helfen, die Aggressivität eines Tumors genauer einzuschätzen und seine Prognose zu verbessern.

Therapieentscheidung:

  • Hormonrezeptor-positiver (HR+) Brustkrebs: Sie ermöglichen eine bessere Unterscheidung zwischen Luminal-A- und Luminal-B-Karzinomen, um die Therapieentscheidung (z.B. für eine zusätzliche Chemotherapie) zu optimieren.
  • Prädiktive Ansätze: Sie sollen vorhersagen, ob eine Patientin von einer bestimmten Therapie wie einer Chemotherapie profitieren wird.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Wann ist eine Chemotherapie notwendig?

Sie wird eingesetzt, wenn das Risiko für Rückfälle hoch ist oder der Tumor besonders schnell wächst. Ihr Behandlungsteam entscheidet individuell mit Ihnen, welche Therapie für Sie die geeignetste ist.

Wie läuft eine Chemotherapie ab?

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Wie lange dauert die Chemotherapie?

Wie werde ich während der Therapie unterstützt?

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Lernen Sie unsere Spezialist:innen kennen

Dr. med. Basil Bättig
Leitender Arzt, Klinik für Innere Medizin, Brustzentrum Zollikerberg, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Medizinische Onkologie und Hämatologie
Prof. Dr. med. Ursula Kapp
Spezialärztin für Blut- und Krebskrankheiten, Brustzentrum Zollikerberg, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, Medizinische Onkologie und Hämatologie