Wenn Erfahrung verbindet: Warum wir mit Selbsthilfegruppen zusammenarbeiten

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Brustzentrum Zollikerberg • 29. Oktober 2026

Eine Diagnose, eine chronische Erkrankung oder eine belastende Lebenssituation wirft oft Fragen auf, die über die medizinische Behandlung hinausgehen. Der Austausch mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben, kann dabei wertvolle Unterstützung bieten. Deshalb arbeiten die Frauenklinik des Spitals Zollikerberg, die Frauen-Permanence Zürich und das Brustzentrum Zollikerberg gemeinsam mit Selbsthilfe Zürich und Vertreterinnen und Vertreiter von Selbsthilfegruppen zusammen. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten und Angehörigen den Zugang zur Selbsthilfe zu erleichtern und die Perspektive von Betroffenen stärker in unsere Versorgung einzubeziehen.

Medizinisches Fachwissen trifft auf Erfahrungswissen

Im Spital begleiten Ärzt:innen, Pflegefachpersonen und weitere Fachpersonen Patientinnen mit ihrem medizinischen und therapeutischen Wissen. Selbsthilfegruppen bringen eine andere Form von Wissen ein: die persönliche Erfahrung mit einer Erkrankung oder einer schwierigen Lebenssituation.

In einer Selbsthilfegruppe begegnen sich Menschen, die Ähnliches erlebt haben. Sie können Erfahrungen austauschen, Fragen stellen, Sorgen teilen und voneinander lernen. Gerade dieses Erfahrungswissen kann die professionelle Behandlung sinnvoll ergänzen. Auch Selbsthilfe Schweiz sieht darin einen wichtigen Nutzen: Die Zusammenarbeit kann unter anderem Lücken in der Nachversorgung schliessen und medizinisches Fachwissen durch Erfahrungswissen ergänzen.

Für Patient:innen kann das beispielsweise bedeuten, nach einer Brustkrebsdiagnose nicht nur medizinische Informationen zu erhalten, sondern sich auch mit Frauen auszutauschen, die eine ähnliche Situation bereits erlebt haben. Auch Angehörige können von einem solchen Austausch profitieren.

Was bedeutet «selbsthilfefreundlich»?

Hinter der Zusammenarbeit steht das schweizweite Modell «Selbsthilfefreundlichkeit in Spitälern und Gesundheitsinstitutionen». Es verfolgt das Ziel, Selbsthilfe nicht dem Zufall zu überlassen, sondern nachhaltig in die Gesundheitsversorgung einzubinden.

Dafür arbeiten Gesundheitsinstitution, Selbsthilfezentrum und Vertreter:innen von Selbsthilfegruppen in einem sogenannten Kooperationsdreieck zusammen. Gemeinsam werden konkrete Massnahmen entwickelt und regelmässig überprüft. Die Betroffenenperspektive wird dabei bewusst auf Augenhöhe einbezogen.

Grundlage bilden sechs Qualitätskriterien. Dazu gehört unter anderem, dass Patient:innen und Angehörige zu einem geeigneten Zeitpunkt auf Selbsthilfeangebote aufmerksam gemacht werden, eine feste Ansprechperson innerhalb der Institution vorhanden ist und ein regelmässiger Austausch zwischen Spital, Selbsthilfezentrum und Selbsthilfegruppen stattfindet.

Wie sieht die Zusammenarbeit bei uns konkret aus?

Die Frauenklinik des Spitals Zollikerberg, die Frauen-Permanence Zürich sowie das Brustzentrum Zollikerberg arbeiten mit Selbsthilfe Zürich zusammen. Die Zusammenarbeit soll Selbsthilfeangebote für Patient:innen und Angehörige besser zugänglich machen und gleichzeitig die Erfahrungen Betroffener in die Weiterentwicklung der Versorgung einfliessen lassen.

Dabei geht es nicht einfach darum, auf bestehende Gruppen hinzuweisen. Gemeinsam werden konkrete Massnahmen definiert und umgesetzt. Innerhalb der Institution gibt es eine verantwortliche Person für das Thema Selbsthilfe. Zudem findet ein regelmässiger Austausch mit Selbsthilfe Zürich und beteiligten Selbsthilfegruppen statt. Die Umsetzung wird jährlich gemeinsam reflektiert und dokumentiert.

Selbsthilfe Zürich unterstützt dabei als Bindeglied: Das Selbsthilfezentrum informiert über bestehende Gruppen, berät bei der Suche nach einem passenden Angebot und vermittelt den Kontakt. Wer für sein Anliegen keine passende Gruppe findet, kann sich ebenfalls an Selbsthilfe Zürich wenden – das Zentrum unterstützt auf Wunsch auch beim Aufbau neuer Selbsthilfegruppen.

Drei Frauen, die offensichtlich eine schöne Zeit miteinander haben in der Natur beim wandern.

Was haben unsere Patientinnen davon?

Der wichtigste Nutzen der Kooperation liegt für uns darin, medizinische Betreuung und persönliche Erfahrung miteinander zu verbinden.

Eine Selbsthilfegruppe ersetzt keine medizinische oder therapeutische Behandlung. Sie kann diese jedoch wertvoll ergänzen – während einer Behandlung ebenso wie danach. Patient:innen und Angehörige erhalten die Möglichkeit, sich mit Menschen auszutauschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Fragen, Unsicherheiten oder Herausforderungen des Alltags bekommen dort Raum.

Gleichzeitig profitieren auch wir als Gesundheitsinstitution vom Austausch. Die Erfahrungen von Betroffenen helfen uns, Bedürfnisse und Herausforderungen aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen und unsere Angebote patientenzentriert weiterzuentwickeln. Genau dieser Einbezug von Erfahrungswissen und Betroffenenperspektive ist ein zentraler Bestandteil des Modells.

Gemeinsam für eine patientenzentrierte Versorgung

Eine gute Versorgung endet für uns nicht an der Tür des Behandlungszimmers. Patient:innen sollen wissen, welche Unterstützung ihnen auch ausserhalb der unmittelbaren medizinischen Behandlung zur Verfügung steht.

Mit der Zusammenarbeit mit Selbsthilfe Zürich und Selbsthilfegruppen möchten die Frauenklinik des Spitals Zollikerberg, die Frauen-Permanence Zürich und das Brustzentrum Zollikerberg dazu beitragen, diese Angebote sichtbarer und leichter zugänglich zu machen. Denn manchmal ist neben professioneller medizinischer Begleitung gerade der Austausch mit einem Menschen wertvoll, der aus eigener Erfahrung sagen kann: Ich kenne diese Situation.

Austausch mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben

Selbsthilfegruppen bieten Betroffenen und Angehörigen die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, Fragen zu teilen und sich gegenseitig zu unterstützen. Selbsthilfe Zürich informiert über bestehende Gruppen, berät bei der Suche nach dem passenden Angebot und vermittelt Kontakte.